Bruno-Kreisky-Preisverleihung für das politische Buch 2025
Drei Lebenswerke der Literatur und der Volksbildung
Die Preisverleihungen in den Kategorien „publizistisches Gesamtwerk“ und „Arbeitswelten – Bildungswelten“ eröffneten den Reigen der Veranstaltungen des Bruno-Kreisky-Preises für das politische Buch im Jahr 2026. Die Jury würdigte Monika Helfer und Michael Köhlmeier als zwei der wichtigsten literarischen Stimmen Österreichs. Ihre Stimmen stehen für eine gelebte Verbindung von persönlicher Reflexion und öffentlicher Verantwortung – ein Gesamtwerk, das in Sprache und Wirkmacht den humanistischen und demokratischen Diskurs nachhaltig prägt.
Der Sonderpreis „Arbeitswelten – Bildungswelten“ ging an Johann Dvořák, Sabine Lichtenberger und Brigitte Pellar, die leider überraschend in diesem Jahr verstorben ist, für ihre Publikation „Richard Robert Wagner. Gewerkschaft, Bildung und die politische Kultur der Moderne in Wien“ (Böhlau, 2025). Die drei Historiker:innen legten mit einer kommentierten zweibändigen Werkauswahl Richard Robert Wagners einen wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung seines umfassenden Lebenswerks und der Geschichte der Wiener Moderne vor. Dadurch werden auch wichtige Impulse zu aktuellen Auseinandersetzungen um Demokratie und Emanzipation allgemein zugänglich.
Eine würdige und berührende Preisverleihung
Für ihr umfassendes literarisches und publizistisches Schaffen wurden Monika Helfer und Michael Köhlmeier gemeinsam, nach einer Eigendefinition der Preisträger:innen, als „Schreibmanufaktur“ von der Jury ausgezeichnet. Zahlreiche Gäste ließen die beiden hochleben. Eine freundschaftliche und wertschätzende Laudatio hielt das Mitglied der Jury und Kulturminister a. D. Josef Ostermayer. Die Ausgezeichneten erzählten in ihren Dankesworten von ihrem Zugang zur Sozialdemokratie und ihren Bezügen zu Bruno Kreisky. Ein pragmatischer Humanismus mit Respekt vor den menschlichen Nöten und eine unaufgeregte Prinzipientreue seien das Fundament erfolgreicher Sozialdemokratie: mutig sein, aber auch Augenmaß bewahren, um möglichst viele Menschen mitzunehmen.
Der Vorsitzende der sozialdemokratischen Bildungsorganisation und dritte Präsident des Wiener Landtages, Gerhard Schmid, hob in seiner Laudatio das Lebenswerk Richard Robert Wagners als zentralen austromarxistischen Beitrag der Arbeiter:innenbildung und politischen Ermächtigung hervor. In ihren Dankesworten unterstrichen die Herausgeber:innen des ausgezeichneten Buches die zentrale Bedeutung der Arbeiter:innenbildungsarbeit Wagners für das Rote Wien. Johann Dvořák gedachte dabei auch der überraschend verstorbenen Mitherausgeberin Brigitte Pellar und würdigte ihr Lebenswerk in persönliche Worten. Sabine Lichtenberger schilderte sehr eindrücklich ihren eigenen Bildungsweg, der ohne die Reformpolitik Bruno Kreiskys nicht möglich gewesen wäre. Aus einfachen Verhältnissen stammend, erinnerte sie sich an den Moment, als die Gratisschulbuchaktion des Schuljahres 1972/73 ihre Familie erreichte. Bücher wurden für sie zum Symbol von Selbstermächtigung, Bildungschancen und sozialem Aufstieg.
Passender kann eine würdige und herzliche Verleihung des Bruno-Kreisky-Preises für das politische Buch kaum über die Bühne gehen.
Projektleitung