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Demokratisierung durch Visualisierung

Aus dem Roten Wien kamen unzählige fortschrittliche Impulse, auch eine weltweit verwendete Bildsprache namens Isotype. Über diese diskutieren Günther Sandner und Susanne Winkler, beide sind Kurator:innen einer aktuellen Ausstellung im Wien Museum: „Wissen für alle. ISOTYPE – die Bildsprache aus Wien“.

„Demokratie ist die einzige Gesellschaftsform, die gelernt werden muss“, ein zeitloser Satz des deutschen Soziologen Oskar Negt aus dem Jahr 2009. Demokratie und Bildung standen somit immer in einem innigen Verhältnis. Daher war die Demokratisierung der Bildung von jeher eine mehr als legitime politische Forderung. Gerade der österreichischen Sozialdemokratie war dies von Anfang an bewusst, verstand sie sich doch als Bildungsbewegung. Das Eintreten für leicht zugängliche und gute Bildungsinstitutionen, jenseits von sozialer Position, Herkunft und Einkommen, war selbstverständlich zentral. Ein ganz Großer dieser Aufklärer und Vorreiter demokratischer Bildung war der Philosoph und Ökonom Otto Neurath (1882–1945). 

Im intellektuellen Umfeld der Sozialdemokratie und des Roten Wien war er ein Lehrer an der Arbeiterhochschule, ein Protagonist des Wiener Kreises, tätkräftiger Mitarbeiter im Zentralverband für Gemeinwirtschaft und Aktivist für die Siedlerbewegung. Für letztere kuratierte er regelmäßig volksbildnerische Kleingarten-, Siedlungs- und Wohnbauausstellungen. 

Aus diesen wiederum entwickelt er im Jahr 1923 schließlich ein Museum für Siedlungs- und Städtebau, das spätere „Gesellschafts- und Wirtschaftsmuseum“. Einen Kern seiner Museumsarbeit bilden bildstatistisch gestaltete Publikationen. Darin entwickelt er die bahnbrechende „Wiener Methode der Bildstatistik“ – eine epocheprägende und bis heute nachwirkende Leistung demokratischer Bildung. 

In kooperativer Arbeit mit vielen anderen Engagierten wie dem Grafiker:innen Marie Reidemeister (1898–1986) und Gerd Arntz (1900–1988) entwickelt er eine Bildsprache, die das Bildungsprivileg der herrschenden Klasse brechen und die „metaphysischen Abwege der deutschen Sprache“ vermeiden helfen sollte: Die Wiener Methode der Bildstatistik. Als „Isotype“ (International System of Typographic Picture Education) wird sie zu einer weltweit verwendeten Bildsprache.

Einen spannenden Abend über egalitäre Wissensvermittlung, demokratische Ausstellungsgestaltung und eigenisreiche Biografien österreichischer Intellektueller und Volksbilder:innen könnt ihr hier nachschauen. Ihr werdet sehen: Wissen kann auch schön sein!

Projektleitung

Michael Rosecker

Dr. Michael Rosecker

Stv. Direktor, Bereichsleitung Politische Aus- und Weiterbildung und Grundlagenarbeit