Die Nachfahr:innen Karl Renners
Die weltweiten Wege einer Familie führen zurück zu den Wurzeln
Die Geschichte der Familie Karl Renners ist eng mit der Geschichte der Republik Österreich verwoben. Der zweimalige Staatskanzler und erste Bundespräsident der Zweiten Republik hatte drei Enkelkinder: Hans (1914–2004), Karl (1917–2005) und Franziska (1920–2015).
Weil ihr Vater – der Schwiegersohn Karl Renners – Hans Deutsch-Renner (1878–1953) Jude war, musste die Familie 1938 vor der Verfolgung durch das NS-Regime nach Großbritannien fliehen. Die Enkelkinder verließen Österreich bereits 1938, ihr Vater folgte Anfang 1939, nachdem die Renner-Villa in Gloggnitz zu Weihnachten 1938 von Nazis mit Steinen attackiert wurde. Internationale Zeitungen berichteten darüber und sahen als Ursache dafür die Anwesenheit des jüdischen Schwiegersohns.
Während Hans Deutsch-Renner nach dem Krieg nach Österreich zurückkehrte, führten die Lebenswege von Hans, Karl und Franziska später über die Dominikanische Republik, in die USA und nach Kanada. In ihren neuen Heimatländern bauten sie sich neue Existenzen auf. Verbindungen zur alten Heimat blieben weiterhin mehr oder weniger bestehen.
Heute, viele Jahrzehnte später, haben ihre Kinder und Enkelkinder als direkte Nachfahr:innen von NS-Verfolgten die Möglichkeit erhalten, die österreichische Staatsbürgerschaft wieder anzunehmen. Aus großem Interesse an ihren familiären Wurzeln besuchten drei Generationen der Nachfahren Karl Renners Österreich. Die Familien Hatch, Hatch-Torres und Skidmore aus den USA bereisten Wien und Gloggnitz.
Herzlicher Empfang in Parlament und Museum
Im österreichischen Parlament wurden sie von der Dritten Nationalratspräsidentin und Präsidentin des Karl-Renner-Instituts, Doris Bures, herzlich empfangen. Dabei besuchten sie den historischen Sitzungssaal des Abgeordnetenhauses des österreichischen Reichsrats, den Sitzungssaal des Nationalrats sowie die Parlamentsbibliothek. An vielen dieser Ort wirkte Karl Renner maßgeblich.
Die Reise zu den Wurzeln führte die Familie auch in das Karl-Renner-Museum in Gloggnitz. Dort wurden die Gäste vom Direktor des Museums, Michael Wilczek, und vom wissenschaftlichen Leiter, Michael Rosecker, empfangen. Gemeinsam führten sie die US-amerikanischen Besucher:innen durch die Renner-Villa. Insgesamt tauchten als direkte Nachfahren eine Urenkelin, drei Ururenkel:innen und sechs Urururenkelkinder in die Geschichte ihrer Familie und ihrer Vorfahren ein.
Ein ganz besonderes Detail: Margaret Hatch, die 1947 in Wien geborene Tochter von Franziska Deutsch-Renner, hat ihren Urgroßvater, Bundespräsident Karl Renner, noch persönlich gekannt. Als kleines Mädchen begegnete sie ihm mehrfach. Auf einem historischen Archivfoto sitzt sie direkt neben ihm – ein berührendes Zeugnis der Verbindung zwischen den Generationen.