Moskaus westliche Rivalen
Der Hauptpreis geht an Osteuropa-Historiker Oliver Jens Schmitt für sein umfassendes Werk "Moskaus westliche Rivalen. Eine europäische Geschichte vom Nordkap bis zum Schwarzen Meer“ (Klett-Cotta, 2025). „Europa muss seine Gesellschaften technologisch wie mental widerstandsfähig machen“, so beschreibt der Autor die geopolitische Lage unseres Kontinents. Seine Studie umfasst 800 Jahre europäische Geschichte – von der Kyjiver Rus bis zum gegenwärtigen Krieg gegen die Ukraine. Alte Rivalitäten, Narrative und Ängste werden wieder sichtbar. Schmitts Analyse verläuft dabei nicht wie gewohnt von West nach Ost, sondern von Nord nach Süd: vom Nordkap bis zum Schwarzen Meer, von der Arktis über die Ostsee bis zu den ukrainischen Steppen.
Oliver Jens Schmitt zeigt, dass die Ursachen für Konflikte zwischen Russland und seinen westlichen Nachbarn in unterschiedlichen politischen Kulturen wurzeln. In den Nachbarstaaten Russlands entwickelten sich früh Formen institutionalisierter Teilhabe, die die Macht des Herrschers begrenzten und ein Verständnis von Recht und Freiheit förderten. In Russland hingegen prägt eine autokratische Tradition das politische Selbstverständnis; historische Erfahrungen mit parlamentarischer Mitbestimmung und eine Verfassungstradition sind kaum vorhanden. Daher kann Wladimir Putin in seinem Narrativ über den Ukraine-Krieg an traditionelle imperialistisch-kriegerische Legitimationen anknüpfen.
Bemerkenswert detailreich und verständlich macht das Buch historische und ideengeschichtliche Linien sichtbar. Schmitts Analyse schärft unser Verständnis der gegenwärtigen Konflikte und eröffnet neue Einsichten in Europas geopolitische Herausforderungen.