Entwicklung und Herausforderungen der Sozialdemokratie in Polen
Publikation in englischer Sprache
Die Länderstudie bietet eine detaillierte Analyse der Entwicklung der polnischen Sozialdemokratie von 1989 bis heute. Nowa Lewica – so heißt die Partei heute – und ihre Vorgängerparteien haben eine der turbulentesten Entwicklungen aller sozialdemokratischen Bewegungen in Europa durchlaufen: Ausgehend von der demokratischen Wende 1989 und dem Wandel der ehemaligen kommunistischen Linken hat die Partei immer wieder Phasen der Erneuerung, Zersplitterung, von Wahlerfolgen und Niedergang durchlebt. Die Entwicklung gipfelte zunächst in der historischen Wahlniederlage im Jahr 2015, als die damalige SLD den Einzug ins Parlament verpasste, sowie 2023 in der Rückkehr der Nowa Lewica in die Regierung.
Die Studie wurde am 12. Juni 2026 im Rahmen einer Online-Veranstaltung präsentiert.
Zwischen Krise und Erneuerung, Identitätssuche und politischem Wandel
Die Autorin Anna Pacześniak geht dabei auf die politische, organisatorische und ideologische Entwicklung der polnischen Linken ein. Sie analysiert die Dynamiken, die durch Parteifusionen und -spaltungen sowie durch die Bildung von Bündnissen entstanden sind. Auch die Beziehungen zu den Gewerkschaften, zu zivilgesellschaftlichen Organisationen und anderen politischen Akteur:innen kommen zur Sprache.
Mit im Zentrum der Analyse steht die fortwährende Suche der Partei nach einer eigenständigen polnischen sozialdemokratischen Identität. Dabei zeigt sich, wie sich die Partei durch politische Entscheidungen, interne Veränderungen und neue Realitäten im Land immer wieder gewandelt hat – sowohl in ihrem Programm als auch in ihrer Rolle in der polnischen Demokratie.
Dadurch, dass die Studie politische Analyse und historische Perspektive miteinander verknüpft, bietet sie nicht nur eine kritische Aufarbeitung der Erfahrungen der polnischen Sozialdemokratie, sondern auch Lehren für andere linke Parteien in ganz Europa.
Die Autorin
Anna Pacześniak ist Professorin für Politikwissenschaft an der Universität Wrocław (Breslau). Sie ist Expertin für europäische und polnische Politik sowie die vergleichende Analyse politischer Systeme. Am Institut für Europastudien leitet sie eine Forschungsgruppe zu europäischen politischen Prozessen. Im Januar 2025 wurde sie von der Konferenz der Präsident:innen des Europäischen Parlaments für die Amtsperiode 2025–2029 in den Ausschuss unabhängiger Persönlichkeiten für europäische politische Parteien und europäische politische Stiftungen berufen.
Next Left Country Case Studies
Die Next Left Country Case Studies sind eine Publikationsreihe und ein Ergebnis der Arbeit im Rahmen des Next Left-Forschungsprogramms, das von der Foundation for European Progressive Studies und dem Karl-Renner-Institut durchgeführt wird. Die Serie konzentriert sich auf die Erforschung des aktuellen Zustands der Sozialdemokratie in ausgewählten Ländern und soll fundierte Einblicke in die sozialdemokratischen Parteien in Europa und darüber hinaus gewähren. Jede Länderstudie analysiert die Veränderungsprozesse in den jeweiligen nationalen politischen Systemen sowie die interne Organisation der betreffenden Parteien. Zudem beschreibt sie deren Zukunftsaussichten aus der Sicht der Autor:innen.
Bisher sind Next Left Country Case Studies zu Australien, Rumänien, Frankreich, Österreich, den Niederlanden, Italien, Finnland, Kanada und Polen erschienen.