Policy Study: Avoiding renovictions in European cities
Publikation in englischer Sprache
Diese Policy Study, entstanden im Rahmen des FEPS Young Academics Network, untersucht, wie die Verdrängung schutzbedürftiger Bewohner:innen im Zuge von Altbausanierungen aufgrund steigender Mieten und Immobilienpreise verhindert werden können.
Europa steht vor einer doppelten Herausforderung: der Klimakrise und einer anhaltenden Wohnungskrise. Beide führen dazu, dass der vielfach alternde Wohnungsbestand in den Großstädten dringend saniert werden muss. Energieeffiziente Sanierungen sind zwar unerlässlich, um die EU-Klimaziele zu erreichen, bergen jedoch die Gefahr, „Renovictions“ auszulösen – die Verdrängung schutzbedürftiger Bewohner:innen aufgrund steigender Mieten und Immobilienpreise. Bei „Renoviction“ handelt es sich übrigens um eine Wortschöpfung aus „Renovation“ und „Eviction".
Diese Policy Study zeigt, wie diese „Renovictions“ vermieden werden können. Sie fasst die wissenschaftliche Literatur zusammen und untersucht bewährte Modelle sowie abschreckende Beispiele aus drei europäischen Hauptstädten: Amsterdam, Athen und Paris. Alle drei verfügen über historische Stadtzentren, die unter Denkmalschutz stehen und dem (Über-)Tourismus ausgesetzt sind.
Der Die Studie zufolge sollten nicht die Mieter:innen für die Sanierungen aufkommen zu lassen, und identifiziert alternative Finanzierungsquellen für verschiedene Wohnformen. Das übergeordnete Prinzip lautet, dass alle Gelder, die in den Wohnungssektor fließen, auch im Wohnungssektor verbleiben sollten.
Konkrete Empfehlungen für Gemeinden und die europäische Ebene
Die Empfehlungen richten sich an politische Entscheidungsträger:innen auf lokaler und europäischer Ebene. Lokale Verwaltungen sollten voneinander lernen und erfolgreiche Maßnahmen und Modelle übernehmen, so beispielsweise die Einrichtung zentraler Anlaufstellen zur Begleitung von Renovierungsvorhaben. Die EU sollte die ihr bereits zur Verfügung stehenden politischen Hebel nutzen, um Maßnahmen auf lokaler Ebene zu koordinieren und zu erleichtern, insbesondere durch die Vereinfachung bestehender Finanzierungsmöglichkeiten oder die Einrichtung staatlich abgesicherter Kreditgarantien.
Schrittweise, lokal angepasste Maßnahmen – unterstützt durch Koordination auf EU-Ebene – sind unerlässlich, um sicherzustellen, dass die ökologische Wende im Wohnbau nicht auf Kosten der sozialen Gerechtigkeit geht.
Politische Entscheidungsträger:innen müssen handeln, um europäische Städte sowohl nachhaltig als auch inklusiv für alle Bewohner:innen zu gestalten.
Die Autor:innen
Davide Martino ist Postdoctoral Fellow an der Université Libre de Bruxelles.
Francesco Zambonin promovierte in Geschichte an der Universität Paris 1 Panthéon-Sorbonne.
Nuve Yazgan ist wissenschaftliche Mitarbeiterin mit Forschungsvertrag im Bereich Research Services an der Universität Oxford.
Die Mentor:innen
Wissenschaftliche Mentorin: Eunice Goes, Professorin für Politikwissenschaft an der Richmond University in London
Politischer Mentor: Andreas Schieder, Mitglied des Europäischen Parlaments und S&D-Koordinator im Unterausschusses zur Wohnungskrise
Das FEPS Young Academics Network (YAN)
Die Studie ist im Rahmen des 9. Zyklus des FEPS Young Academics Network (YAN), eines internationalen Netzwerks für progressive Nachwuchswissenschafter:innen, entstanden. Dieses wird vom Karl-Renner-Institut und der Foundation for European Progressive Studies (FEPS), der sozialdemokratischen Stiftung auf europäischer Ebene, organisiert. Die Teilnehmer:innen des FEPS YAN erhalten die Möglichkeit, Forschung, politische Praxis und internationale Vernetzung miteinander zu verbinden. Seit seiner Gründung im Jahr 2010 haben mehr als 450 junge Forscher:innen aus ganz Europa am YAN teilgenommen.
Projektleitung